Allan - der Junge aus dem Steinbruch

Foto-Reportage: Ein Tag im Steinbruch mit Allan (12) und seinem kleinen Bruder Apope (7)


Ein Tag mit Allan im Steinbruch - Die Dokumentation

Die Fenster sind kaputt und vergittert, das Dach aus Wellblech größtenteils zerstört und die Wände aufgerissen und durchlöchert. Nur die blaue Haustür aus Eisen scheint unversehrt, quietscht etwas, als Allan und Apope sie öffnen und mich begrüßen. Die beiden Jungs aus Likoni, ein großes Armenviertel südlich von Mombasa, wohnen mit ihrer Familie in dem Haus, das von außen betrachtet wie eine verlassene Ruine ausschaut – umgeben von Müll, trockenem Gestrüpp und Gras. Doch die Ruine ist das Zuhause von Allan (12 Jahre alt) und Apope (7), die mich mit ihren kleinen, verschlafenen Augen anschauen und hinein bitten. Es ist sieben Uhr, die Sonne brennt und lässt die Luft über der Baracke flimmern. Von der Tür geht es in einen kleinen Hof, dort sitzt ihr Papa Tom auf einem gelben Plastikeimer und backt Fladenbrot. Er lacht mich an. Ich begrüße ihn, bedanke mich dafür, dass ich ihn, seine Frau Jennifer und seine beiden Söhne heute den ganzen Tag begleiten darf – und zwar in den Steinbruch. Dort arbeitet die gesamte Familie. Steine aus dem Felsmassiv klopfen, die Brocken sieben und verkaufen. Und das Tag für Tag. Ein kleiner Nebenverdienst sind die Fladenbrote vom Papa, die die Mama an Arbeiter im Steinbruch verkauft. „Mein Papa, mein Opa und dessen Papa, Apope und ich – wir alle gehen seit jeher in den Steinbruch“, erzählt Allan. Seine Worte klingen so, als sei es das Normalste auf der Welt. In dem Armenviertel an der Ostküste Kenias müssen fast alle Kinder ihren Teil zum Familieneinkommen beisteuern. Und so gehen viele erst gar nicht zur Schule, sondern arbeiten bereits mit fünf Jahren im Steinbruch. Oder die Kinder werden von ihren Eltern verkauft, um als Hausangestellte, in Minen, Steinbrüchen, auf Plantagen oder in der Sexindustrie zu arbeiten. Überwiegend Arbeiten, die massiv die Gesundheit und Sicherheit der Kinder gefährden. Und das verstößt ganz klar gegen die UN- Kinderrechtskonvention, die Kenia ratifiziert hat. Allerdings: Ein Bewusstsein für die Gefahren, scheint nicht bei allen Eltern vorhanden zu sein. Eine Studie von UNICEF, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, ergab, dass 80 Prozent der Kenianer kein Problem darin sehen, dass Minderjährige hart arbeiten oder sich prostituieren müssen. Wie das möglich ist? In armen Regionen ist es oft eine Notwendigkeit, dass auch Kinder zum Lebensunterhalt beitragen. Da haben die Eltern und damit auch der Nachwuchs keine große Wahl. So arbeiten auch Allan und Apope täglich ab 8 Uhr im Steinbruch. Während ihr Papa mit einer alten, verbogenen Spitzhacke die Felsen im Steinbruch stundenlang und mühselig bearbeitet, räumen die beiden Jungs die Brocken in ihre Kisten und tragen sie zu einem großen Steinhaufen. Dort sortieren sie die Steine nach verschiedenen Größen und verkaufen sie direkt vor Ort an Bauarbeiter und Privatpersonen zum Hausbau oder einfach als Baumaterial. Es rollen auch immer wieder schwere Lastwagen zum Steinbruch, laden Felsen und Brocken auf. Dann ist endlich Pause. Es gibt Chapati, das sind die flachen Weizenmehlfladen, die der Papa vor der Arbeit in der Baracke gebacken hat. Ab und zu gibt es auch Ugali (ein fester, weißer Brei aus Maismehl) – oder einfach nur Reis. Dazu etwas Wasser. Dass nur ein paar hundert Meter vom Steinbruch entfernt die Wellen des indischen Ozeans rauschen und die weißen Badestrände Touristen aus aller Welt anlocken, die in Fünf-Sterne-Hotels die glänzenden Seiten Kenias erleben, interessiert die kleinen Steinbrucharbeiter nicht weiter.

Harte Bedingungen

Es geht weiter. Ich nehme jetzt mal die Picke eines Arbeiters in die Hand, versuche Steine aus dem Felsmassiv zu schlagen. Eine unglaublich harte und gefährliche Arbeit, die mich an an Straflager erinnert. Schutzausrüstung ist im Steinbruch von Likoni ein absolutes Fremdwort. Die Männer und Kinder haben zerrissene Hosen und T-Shirts an Allan und Apope haben sich extra für den heutigen Tag mir mir ihre beste Kleidung angezogen. Sichere Schuhe, Helm oder Atemschutz gibt es nicht. Und auch der feine Staub, der beim Sieben und Schlagen entsteht und durch die Luft zieht, scheint nur mir im Hals und in den Augen zu kratzen. Mit giftigen Chemikalien wird in dem Steinbruch zum Glück nicht hantiert. Dennoch ist die Arbeit besonders für die noch nicht ausgewachsenen Körper der Kinder extrem belastend. Rücken und Knie werden stark belastet, wenn die Jungs die schweren Kisten mit Steinen schleppen. Außerdem arbeiten sie mit bloßen Händen. Ich schaue noch einmal bei Allan und Apope vorbei. Die beiden stehen mit ihren selbstgebauten Sieben vor dem großen Steinhaufen, schütteln und rütteln unermüdlich. Bis 17 Uhr. Dann ist die Plackerei vorbei – für die kleinen und großen Steinbrucharbeiter. „Wir helfen unseren Eltern. Papa haut Steine heraus, Mama verkauft Essen. Und wir verkaufen die Steine“, sagt Apope. „Manchmal kommen keine Abnehmer. Aber an guten Tagen verdienen wir 200 KES.“ Das sind knapp zwei Euro am Tag. Eine Alternative zum Steinbruch sehen Allan, Apope und ihre Familie vorerst nicht. Die Arbeit im Steinbruch ist eine sichere Sache, garantiert ein gewisses Einkommen. Die Möglichkeiten, die sich für die Kinder durch den Besuch einer Schule bieten, kennen und sehen die Eltern nicht. Dabei wollen ihre Kinder mehr. So träumt Allan davon, einmal als Doktor sein Geld zu verdienen. Apope möchte unbedingt Lastwagenfahrer werden. Große Träume, die sich nur durch schulische Bildung erfüllen lassen könnten. Im Steinbruch jedoch nicht.

Die große Leidenschaft: Fussball

Am Wochenende vergessen die Jungs jedoch die zerkratzten Hände und Finger, den schmerzenden Rücken und die blauen Flecken. Da ist der Steinbruch weit weg. Am Sonntag, an Ihrem freien Tag, rollt der Fußball. Nicht weit von ihrer Baracke entfernt ist ein Sportplatz, ein brauner Ackerboden. „Da spielen wir immer Fußball mit unseren Freunden bei HOPE FOR HOPE.“ Da lachen und rennen Allan und Apope, schießen Tore und jubeln ausgelassen. Heute ist Freitag. Die Arbeit im Steinbruch ist beendet. Die müden Beine haben Allan und Apope noch bis in den kleinen Hof ihrer Baracke getragen. Es gibt für jeden noch eine Hand voll Reis. Auch für mich. Der Papa zeigt mir noch das Schlafzimmer. Ein dunkler Raum ohne Fenster. Auf dem Steinboden liegt ein Teppich, darauf eine gelbe Decke. Es dauert keine zwei Minuten, da schlafen Allan und Apope – die beiden Jungs aus Likoni, das große Armenviertel südlich von Mombasa. Für viele andere geht es morgen im Steinbruch weiter..

Allan und Apope haben Glück.

Dank Dorothea und Anton, zwei Schulpaten aus Deutschland, müßen die beiden in Zukunft nicht mehr in den Steinbruch gehen, sondern dürfen die Primary School ganz in ihrer Nähe besuchen, in der sie zudem auch täglich eine warme Mahlzeit zu Mittag bekommen. Vielleicht erfüllt sich so ihr Traum, eines Tages als Arzt und Fahrer arbeiten zu können..

Allgemeine Informationen weltweite Kinderarbeit

Über 190 Millionen Kinder zwischen fünf und 14 Jahren arbeiten laut UNICEF auf unserem Planeten. Die meisten davon in der Landwirtschaft, in Werkstätten und Fabriken, Mienen und Steinbrüchen, als Straßenverkäufer oder Dienstmädchen. Kinderarbeit ist vor allem in Asien (122 Millionen) und Afrika (49,3 Millionen) sehr präsent. Ein weiteres Problem dabei ist, dass die meisten Kinder, die aus der Schule genommen werden, später wieder zu wenig Geld verdienen, um ihre Familie zu ernähren. Und so nimmt die Kinderarbeit ihren Lauf und gefährdet auch die nächste Generation. Ein Teufelskreis, den die kenianische Regierung durch ein besonderes Gesetz durchbrechen wollte. So wurde bereits im Jahr 2010 beschlossen, dass Eltern, die ihre Kinder nicht zur staatlichen Schule bringen, zu einem Jahr Haft oder einer hohen Geldstrafe verurteilt werden. Doch auch das führte bislang nicht zu einer Verbesserung der Situation. Denn: 60 Prozent der Kenianer leben unter der Armutsgrenze. 80 Prozent sind von der Landwirtschaft und damit einer guten Ernte abhängig. In schlechten, dürren Zeiten sind viele Familien gezwungen, sich zwischen der Bildung ihrer Kinder und dem Überleben der Familie zu entscheiden.

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Mombasa könnte man in zweierlei Hinsicht als das Hamburg Kenias bezeichnen: Die Nähe zum Meer und die Tatsache, dass es sich um die jeweils zweitgrößte Stadt des Landes handelt. Abgesehen davon haben sie nicht sehr viel gemeinsam. Mombasa ist ein Schmelztiegel zahlreicher Probleme. Abseits von Massentourismus und traumhaften Stränden ist das alltägliche Leben der lokalen Bevölkerung oftmals ein Alptraum: Extrem hohe AIDS- und Armutsquoten, exorbitante Geburtenraten und immer mehr Naturkatastrophen und Dürreperioden lassen die Menschen, die zu 70% von der Landwirtschaft leben, zur Arbeitssuche in die Städte ziehen. Dort erwartet sie aber meist nur die Obdach- oder Arbeitslosigkeit der Slums auf sie. Somit ist auch für Kinder der letzte Ausweg die Straße, wie im angrenzenden Armenviertel Likoni. Und dort regiert neben Armut und Aids auch oft die Aggressivität. Ohne Bildung oder Ausbildung flüchten sich die Kinder und Jugendlichen zum Teil in die Welt billiger Drogen, was das Gewaltpotential und die Kriminalität nochmals steigen lässt. Keine Ziele, keine Hoffnung also? „Hoffnung ist das einzige, was uns noch bleibt, denn sonst bleibt den Leuten nicht viel“, so der 23-jährige Gründer und Leiter von Hope For Hope, Reginold Odhiambo. In Likoni aufgewachsen, hat er selbst die schwierigen Bedingungen durch- und erlebt, diese Phase aber gestärkt verlassen. Er weiß genau, wo die Probleme in seiner Heimat liegen und hat es sich vor Jahren zur Aufgabe gemacht, Strukturen in seinem Umfeld zu ändern und den heranwachsenden Kindern eine neue Hoffnung zu geben, damit die neue Generation nicht in den gleichen Strudel gerät.

Spielend Selbstvertrauen gewinnen

Alles begann mit einem Ball: Durch das Bereitstellen eines Fußballs, eines festen Trainings und regelmäßigen Turnieren brach für viele der Straßenkinder ein neues „Zeitalter“ an. Das Spiel förderte den Zusammenhalt, das Beachten von Regeln und vermittelte somit neue Ziele und ein Gefühl der Zugehörigkeit. Das Straßenkinderprojekt bestärkt somit die verwahrlosten Kinder in ihren Fähigkeiten, hält sie körperlich fit und bietet Raum, sich auszutauschen und Sorgen zu teilen. Besonders in Afrika ist die Faszination Fußball von klein auf zu spüren und bietet in der aktiven Ausübung eine zuvor nicht dagewesene Alternative zur Gewalt. Die Jugendlichen über verschiedene Altersklassen gewinnen nicht nur Turniere, sondern am Ende vor allem auch Selbstvertrauen für ihr weiteres Leben.

Schulpatenschaften und Essen

Kindergarten & Vorschule

Der Ball rollt in verschiedene Richtungen

Doch es ist nicht nur der Fußball, der bei Hope For Hope eine große Rolle spielt. Es gibt ein komplett ausgestattetes Tonstudio, in dem schon ein paar „Hits“ für das lokale Radio produziert wurden, eine Tanzgruppe, ein Youth Center, in dem sich die Jugendliche treffen können sowie ein Cildren Center, in dem die Kleinsten unterrichtet und mit Essen und Kleidern versorgt werden.

Hoffnung schenken

Fußball, Musik, aber auch die Perspektiven durch Schule, Bildung und Beruf sind Aspekte, die Halt, Sicherheit und auch „Hoffnungslosen“ wieder Hoffnung schenken. Zudem erhalten die zahlreiche Kinder regelmäßig eine warme Mahlzeit und ebenso gemeinsame Zeit geschenkt, in der erzählt, gespielt oder auch mal fern geschaut werden darf. Hope For Hope holt demnach die Kinder und Jugendliche auf ganz unterschiedlichste Art und Weise ab, aber immer genau dort, wo man sie am besten erreichen kann. Menschen mit großen Visionen und Wünschen, wie Reginold, hat die Hoffnung noch längst nicht aufgegeben, dass sich die Zukunft entscheidend für sein Land verbessert. Mit seinem Einsatz, seinem Talent, aber vor allem seinem Herz voller Frohsinn, Herzlichkeit und Ideen ist es zu verdanken, dass das Projekt weiter an Fahrt aufnehmen kann und immer mehr Kinder und Jugendliche in Afrika davon profitieren können.

Eine neue Generation mit Perspektive

Die große Vision ist, dass sich Teile von Hope For Hope am Ende sogar selbst tragen oder Erlöse erzielen können, wie z.B. das Musik-Projekt oder der Saftverkauf. Für die Essensausgabe, Schulgelder und den Aufbau bzw. Unterhalt der vielen Programme sind aber noch viele Ressourcen nötig, um das Projekt nach dem erfolgreichen Start am Laufen zu halten. Um das Projekt weiter aufzubauen, brauchen wir weitere Spender, Sponsoren oder auch einen lokalen Fußballverein, der an einem Austausch interessiert wäre. Sie können mithelfen, sei es durch eine einmalige Geld- oder Sachspende oder eine regelmäßige Unterstützung wie auch durch eine Kinderpatenschaft. Neben den laufenden Kosten sind in der nächsten Zeit folgende Investitionen geplant: Der Bau einer neuen sanitären Anlage für das Children Center, eine Rutsche für die Kids und die Möglichkeit, das erste professionelle Musikvideo zu drehen.

Schulsponsor

Schulgebühren, Lehrmaterial, Schuluniform, Essen und Medizin
40/Monat
  • Bonus: 10 EUR gehen in die gesamte Jugendarbeit vor Ort, um auch bedürftigen Kindern ohne Sponsoren Hilfe zukommen zu lassen
Ja, ich will helfen

Kindergarten

Optimale Vorbereitung auf die Schule und Essen
30/Monat
  • Aktuell sind ca 70 Kinder in unserem ChildrenCenter und wir haben drei bis vier BertreuerInnen beschäftigt
Ja, ich will helfen

Ich möchte gerne das Projekt unterstützen

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